Gemeindeverband AKTUELL Nr 2 / 2018

GemeindeVerband AKTUELL  Nr. 2 / 2018
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Das Titelblatt unseres zweiten Kooperationsheftes ziert ein Foto unseres Neujahrsempfanges.

Zum einen ist dies eine schöne Erinnerung an eine Veranstaltung, auf der ich viele nette und interessante Menschen begrüßen durfte und ein guter Gedankenaustausch mit vielen stattfand, von denen ich keinen missen möchte.

Zum anderen ist dieses Bild aber auch ein Symbol für den Auf- und Umbruch, in dem wir uns augenblicklich im Kooperationsgebiet befinden. Ein neues Jahr ist immer auch Anlass, einen Moment innezuhalten – vielleicht einen aufmerksamen Blick auf das Vergangene zu lenken, das „Jetzt“ nicht aus den Augen zu verlieren und auch den Ausblick in die Zukunft zu wagen. Und genau dies haben wir auf unserem Neujahrsempfang getan. Und nach vielen Gesprächen – auch an diesem Tag – bin ich mir sicher: Gemeinsam stellen wir uns einer großen Herausforderung und gehen neue Wege.

Mir gefällt das Bild des Hellweges und der Hanse in diesem Zusammenhang. Pfarrer Rüsche hat es ähnlich auch in seiner Predigt im Rahmen der Messe zum Neujahrsempfang genutzt. Erst dadurch, dass die Kaufl eute sich Mitte des 14. Jahrhunderts auf den Weg gemacht, neue Verbündete gefunden und neue Pakte geschlossen haben, konnte Neues und Größeres entstehen. Der Hellweg war von seinem Wortursprung her ein lichter und breiter Weg, auf dem sich zum Beispiel Kaufl eute zwischen wichtigen Handelsstädten zügig bewegen konnten und vor bösen Überraschungen sicher waren.

Mir gefällt es, dass auch wir alle gemeinsam auf einem solchen „Hellweg“ unterwegs sind. Wir bewegen uns zügig auf manchmal unbekanntem Terrain, aber wir bewahren den Überblick. Wie die Hansekaufl eute schmieden auch wir in unserem Kooperationsprozess neue Zusammenschlüsse, die stark sind und die Zukunft maßgeblich mitgestalten können.


Ich freue mich, dass wir auch 2018 zusammen auf dem Weg sind und gemeinsam neue Stärken entwickeln, indem wir unsere Kräfte, unsere Erfahrung und unsere Kompetenzen bündeln.

Josef Mertens, Geschäftsführer

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Generalvikar Alfons Hardt steht Rede und Antwort

Kirchenverwaltung fit für die Zukunft machen

Die drei Gemeindeverbände Hellweg, Siegerland-Südsauerland und Hochsauerland-Waldeck haben sich bereits vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, Gemeinsamkeiten zu fi nden, Stärken zu bündeln und sich als Kirchenverwaltung fi t für die Zukunft zu machen. Die Kooperation ist ein langer Prozess, in dessen Verlauf auf viele Kleinigkeiten geachtet werden muss, damit sowohl die Verantwortlichen in den Pfarreien als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeindeverbänden auf diesem Weg mitgenommen werden. Der Generalvikar des Erzbistums, Alfons Hardt, begleitet diese Prozesse aufmerksam. Für dieses Kooperationsheft stand er uns Rede und Antwort.

Wie wichtig ist für Sie die Arbeit in den Verwaltungen vor Ort?

Hardt: Verwaltungsarbeit ist sehr wichtig, damit die Organisation der Kirche vor Ort funktioniert. Sie ist daher auch unverzichtbar, einfach weil sie notwendig ist. Aber zugleich gilt: Verwaltung ist kein Selbstzweck. Ziel des Programms Kirchenverwaltung der Zukunft ist es, eine moderne, gut organisierte und effektive kirchliche Verwaltung zu entwickeln, die auf Basis der im Erzbistum gebildeten Pastoralen Räume und vieler gesellschaftlicher Herausforderungen wie z. B. der demografi schen Entwicklung die pastorale Arbeit vor Ort unterstützt und fördert. Das bringt der Untertitel dieses Programms zum Ausdruck: Die Verwaltung ist ein Werkzeug, das „Mehr Raum für Seelsorge“ schaffen soll.

 

Was sind für Sie die drei Meilensteine, die die Kirchenverwaltung in den nächsten Jahren bewältigen muss?

Hardt: Als Erstes muss im Verwaltungshandeln ein pastorales Selbstverständnis sichtbar werden: Zu Recht sind viele Menschen diesbezüglich sensibilisiert, wenn sie den Eindruck haben, Verwaltung wird aufgebläht, ausgebaut oder steht mehr im Mittelpunkt des kirchlichen Handelns als die Pastoral. Das darf nicht sein! Verwaltung ist kein Selbstzweck, sondern steht in einer Dienstleistungsfunktion der Pastoral gegenüber. Als Zweites muss es Ziel sein, dass dieselben Verwaltungsprozesse im Erzbistum nach einheitlichen Abläufen, also in diesem Sinne standardisiert, ausgeführt werden, egal wo und durch wen sie bearbeitet werden. Und als Drittes ist es unbedingt notwendig, dass die kirchliche Verwaltung als Ganze, also im Miteinander der unterschiedlichen Ebenen und Rechtsträger, entwickelt wird. Kirchengemeinden, Gemeindeverbände, Generalvikariat und kirchliche Einrichtungen gehören zusammen, und das muss auch im Verwaltungshandeln sichtbar werden.

 

Eine Kooperation von Gemeindeverbänden bündelt in der Verwaltung Kompetenzen. Wo sehen Sie in Zukunft die Kernaufgaben der Gemeindeverbände mit Blick auf die Unterstützung der Pastoral vor Ort?

Hardt: Im Rahmen des Programms Kirchenverwaltung der Zukunft wird ganz zentral genau diese Frage bearbeitet. Ich erhoffe mir von der bereits begonnenen Standardisierung administrativer Prozesse, in den drei Kooperationsprojekten schon erste Antworten auf diese Frage. Von besonderer Bedeutung für die Kirchengemeinden wird das Projekt „Verwaltungsleitung einführen“ sein, denn dort soll eine weitgehende Entlastung der Pfarrer und der Kirchenvorstände im Bereich des Verwaltungshandelns erzielt werden. Hier sind ja in der Einführungsphase die Gemeindeverbände als Anstellungsträger besonders gefragt. Dann geht es darum, Dienstleistungen auf Ebene der Gemeindeverbände gut zuzuordnen, also etwa Finanzbuchhaltung an einem Ort, Personalverwaltung an einem Ort, und das dann auf der Basis gemeinsamer Prozessbeschreibungen. Schließlich werden die Gemeindeverbände weiterhin geschätzt in ihrer direkten Beratung vor Ort und durch die Bereitstellung von Fachwissen. Hier werden sie wohl auch künftig unverzichtbar bleiben.

 

Veränderungen durch neue Verwaltungsstrukturen erzeugen bei haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern eine Reihe von Fragen. Wie kann man diese Fragen in die Entwicklung einbinden?

Hardt: In allen Gremien herrscht breiter Konsens darüber, dass jede Veränderung nur auf Basis der vorhandenen Expertise und Erfahrungen gelingen kann. Der reiche Erfahrungsschatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein hohes Gut, das den gesamten Prozess maßgeblich unterstützen und prägen kann. Das in der Vergangenheit erarbeitete und erlernte Fachwissen stellt die zentrale Basis für den Veränderungsprozess dar, dieses Know-how kann kein „grüner Tisch“ ersetzen. Ich hoffe und setze auch auf die Bereitschaft aller Mitarbeiter auf Mitwirkung. Veränderung lebt von Veränderungsbereitschaft. Ich hoffe, dass es uns gelingt, auf der Basis des Zukunftsbildes für das Erzbistum Paderborn, eine gute Beteiligung der Mitarbeiter zu gewährleisten. Diese wird der beste Weg sein, Akzeptanz für konkrete Veränderungen zu erzielen. Dann gilt es, einen offenen Prozess auszuhalten: das Zielbild künftiger kirchlicher Verwaltung im Erzbistum steht noch nicht, es wird entwickelt. Natürlich kann ich heute nicht ausschließen, dass sich konkrete Tätigkeiten oder auch der Ort des Arbeitsplatzes verändern. Fest steht aber: Für die Kirche der Zukunft und für die Schaffung von zusätzlichen Freiräumen für die Seelsorge brauchen wir alle, die in der Verwaltungslandschaft tätig sind. Sowohl die hauptamtlichen Mitarbeiter als auch die ehrenamtlichen Kräfte sind gleichermaßen gefragt, an dem Prozess, eine zukunftsorientierte Verwaltung aufzubauen, mitzuwirken.

 

Die Dynamik struktureller Veränderungen wird es in Zukunft weiterhin geben. Wie sieht nach Ihrer Einschätzung die Kirchenverwaltung im Jahre 2050 aus?

Hardt: Veränderung wird nicht mehr aufhören. Auch wenn die Kirchenverwaltung der Zukunft aufgebaut ist, wird sie sich kontinuierlich entwickeln und anpassen müssen, schon allein durch die Digitalisierung. Diese liefert uns für die Verbesserung von Abläufen und Prozessen immer neue Werkzeuge und Möglichkeiten, die wir ganz im Sinne einer Optimierung der Arbeit vor Ort gezielt und mit Augenmaß nutzen werden. Die zusätzlichen technischen Mittel ermöglichen beispielsweise zentrale Einrichtungen mit qualitativ hochwertigen und gebündelten Dienstleistungen, wie das nie zuvor möglich war. Welche das genau sind, wird zu entscheiden sein. Zugleich bietet veränderte Technologie die Chance, die pastoralen Angebote noch besser und zielgenauer zu platzieren. Mein Wunsch ist es, die Kirchenverwaltung der Zukunft zeitgemäß und digital aufzustellen, um ihrer Funktion als Dienstleister für die Gemeinden und die seelsorgerische Arbeit, so gut es geht, gerecht werden zu können.

Herr Generalvikar Alfons Hardt – wir danken Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch.

Der reiche Erfahrungsschatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein hohes Gut, das den gesamten Prozess maßgeblich unterstützen und prägen kann. Das in der Vergangenheit erarbeitete und erlernte Fachwissen stellt die zentrale Basis für den Veränderungsprozess dar, dieses Know-how kann kein „grüner Tisch“ ersetzen.

Alfons Hardt

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Kompetenz trifft sich an einem Ort – „Workcamp“ vom 27. Februar bis 2. März in Meschede

Gemeinsames Arbeiten, Austausch, Diskussionen, ständiger Informationsfl uss: Das viertägige Workcamp in Meschede ist nicht nur aufgrund des umfangreichen Programms ein ausgesprochen ambitioniertes Projekt. „Zum ersten Mal kommen Führungskräfte, Mitarbeiter und Kunden an einem Ort zusammen, um in einen dynamischen Prozess mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten einzusteigen“, macht Projektreferent Sebastian Schrage den inhaltlichen Anspruch dieser Premiere deutlich. Das bedeute zwar eine große Kraftanstrengung für alle Beteiligten, der Aufwand lohne sich aber auf jeden Fall, ist sich Schrage sicher. Er hat das Camp gemeinsam mit Anna Eickelmann organisiert und vorbereitet. „Wir haben hier die Chance, Themen, Organisation und Aufgabenstellung gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen und so gemeinsam Ideen und Lösungen zu entwickeln – und das im direkten Austausch in Echtzeit“, beschreibt Anna Eickelmann den innovativen Ansatz des Treffens: „Geballte Kompetenz trifft sich an einem Ort.“

Dabei ist die Mitarbeiterebene genauso im Blick wie die Sicht der Pfarrer und Kirchenvorstände sowie der Haupt- und Ehrenamtlichen in den Pfarreien und Gemeinden. Die Kundenveranstaltung am Mittwoch spielt für Sebastian Schrage in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: „Bei diesem mehrstündigen Treffen geht es unter anderem um die Frage, welche Veränderungen in der Organisationsentwicklung für uns als Anbieter anstehen könnten, weil sich in manchen Bereichen die Erwartungen der Kunden gewandelt haben.“

Angesichts der vielfältigen Entwicklungen müsse man als Dienstleister mit möglichst passgenauen Angeboten schnell und flexibel auf Wünsche und Erwartungen reagieren können. „Das funktioniert im persönlichen Austausch erfahrungsgemäß am besten, und je größer die Gruppe ist, desto vielfältiger dürften die Ergebnisse sein“, sind sich Sebastian Schrage und Anna Eickelmann vom Organisationsteam einig.

Digitalisierung, Personalplanung, die Rolle der Regionalleitungen, Weiterentwicklung der Kommunikationsstrukturen, die Rolle der Mitarbeitervertretungen – die Themenpalette ist umfangreich und anspruchsvoll.

Die Gefahr, den Überblick zu verlieren, besteht trotzdem nicht. Ein Vorteil, so Schrage, bestehe darin, dass die Ergebnisse aller 17 Workshops ständig präsent und für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einsehbar bleiben: „Jeder kann sich zu allen Themen anhand der Aufzeichnungen Infos holen und eine Meinung bilden.“ So sei ein umfassender Blick auf alle Bereiche gewährleistet. Gleichzeitig könnten Ergebnisse immer wieder hinterfragt und „gespiegelt“ werden: „Wir versprechen uns davon einen Prozess, bei dem Ergebnisse erzielt werden können, die wir beim Start so noch gar nicht auf der Rechnung hatten.“

Grundlage dafür sei, so Anna Eickelmann, dass „alle immer auf dem aktuellen Stand sind:„Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vielleicht bei einem Workshop gar nicht präsent waren, können bei Interesse Ideen oder Anregungen einbringen.“

Die Auswertung des Camps wird direkt am Freitag stattfi nden, alle Teilnehmenden werden eine detaillierte Dokumentation der Ergebnisse zeitnah bekommen, versprechen die beiden Organisatoren.

 

Wir haben die Chance, Themen, Organisation und Aufgabenstellung aus verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen.

Sebastian Schrage

 

Das funktioniert im persönlichen Austausch erfahrungsgemäß am besten, und je größer die Gruppe ist, desto vielfältiger dürften die Ergebnisse sein“,

Anna Eickelmann

 

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