Kirchenverwaltung und pastorale Aufgaben der Kirche –
zwei Seiten der selben Medaille

Fragen an Monsignore Dr. Michael Bredeck

 

Die wichtigste Aufgabe einer modernen Kirchenverwaltung ist es, optimale Rahmenbedingungen für die pastoralen Aufgaben der Kirche zu schaffen. Generalvikar Alfons Hardt brachte es im Interview in der letzten Ausgabe der „GemeindeVerbände aktuell“ so auf den Punkt: „Verwaltungsarbeit ist sehr wichtig, damit die Organisation der Kirche vor Ort funktioniert. Sie ist daher auch unverzichtbar, einfach weil sie notwendig ist. Aber zugleich gilt: Verwaltung ist kein Selbstzweck.“ In diesem Spannungsfeld bewegt sich selbstverständlich auch der Kooperationsprozess und die Entwicklung einer neuen, modernen Verwaltungsstruktur. Was dem weltlichen Unternehmensberater „heilig“ ist, stellt sich im Lichte einer seelsorgerisch tätigen Kirche oftmals ganz anders dar. Darüber sprachen wir mit Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Projektes Bistumsentwicklung im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn.

 

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Kirchenverwaltung und die pastoralen Aufgaben der Kirche sind zwei Seiten derselben Medaille. Warum erscheint es oftmals so, dass beide Bereiche mehr nebeneinander als miteinander arbeiten?

 

DR. BREDECK: Ich vermute, das liegt daran, dass die beiden Bereiche nach sehr unterschiedlichen „Logiken“ ticken, die sich auf den ersten Blick kaum entsprechen. Die Kirche ist zugleich geistliche Gemeinschaft und Organisation. Deshalb kann man diese beiden Seiten einer Medaille nicht gegeneinander ausspielen, aber natürlich ist ein Seelsorger ein Seelsorger und ein Verwaltungsmitarbeiter ein Verwaltungsmitarbeiter. Dem einen muss es holzschnittartig gesagt um Empathie, individuelle Biographie und Spiritualität gehen, dem anderen um Prozesse, Abläufe und Standards. Aber hilfreich ist auch das jeweils Andere! Pastoral und Verwaltung sind also unterschiedliche Bereiche, aber beide sind notwendig, damit die Kirche „funktionieren“ kann. Es ist dabei aber natürlich ganz wichtig zu sehen, dass die Verwaltung im Dienste der Pastoral steht.

 

Immer weniger Pfarrer müssen sich um immer größere Seelsorgeeinheiten kümmern und sind oftmals mehr Geschäftsführer als Priester. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung und wo sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft?

 

DR. BREDECK: Das alte Modell des allzuständigen Pfarrers einer Pfarrei lässt sich im Pastoralen Raum nicht weiterführen. Es zeigt sich, dass die Komplexität eines Pastoralen Raumes ein Höchstmaß an Kompetenzen in Bereichen verlangt, die einem Seelsorger oft nicht in die Wiege gelegt sind und das auch nicht sein müssen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Deshalb ist es ganz wichtig, Leitung durch den Pfarrer als geistliche und pastorale Leitung zu verstehen, aber die administrative und organisatorische Leitung davon zu unterscheiden. Aber dem Pfarrer wird im Pastoralen Raum immer auch ein bestimmtes Maß an Management-Aufgaben bleiben müssen, wenn er geistliche und pastorale Leitung wahrnehmen will. Ich nenne nur Aufgaben wie: das Pastoralteam zu leiten, Entwicklungsprozesse zu leiten, Visionsprozesse anzustoßen, aber auch zehn Gottesdienstorte zu koordinieren etc. Ich glaube, im Zusammenspiel mit einem Verwaltungsleiter und einer gut aufgestellten Kirchenverwaltung wird die in der Frage aufgeworfene Thematik handhabbar.

 

In der freien Wirtschaft ist die Verwaltung oftmals nur Mittel zum Zweck und wird rationalisiert und optimiert, um die Erträge zu steigern. Eine „geistlose“ Verwaltung ist in der Kirche aber undenkbar, weil sie ihrer Aufgabe in diesem Umfeld nicht nachkommen könnte. Wie kann oder muss die Seelsorge helfen, damit trotz Professionalisierung der Geist in der Kirchenverwaltung erhalten bleibt?

 

DR. BREDECK: Der „Ertrag“ kirchlichen Handelns sind Glaube, Hoffnung und Liebe und die Zufriedenheit der Gläubigen mit der Kirche. Ich vermute, dass hierzu nur eine enge Zusammenarbeit zwischen pastoraler und Verwaltungsleitung helfen wird. Auch die Verwaltungsmitarbeitenden müssen pastoral eingestellt sein, also nicht nur Dienstleistungen erbringen, sondern den Menschen zu Diensten sein. Da geht es um Dinge wie Verlässlichkeit, Erreichbarkeit, Transparenz. Aber die gelten aus meiner Sicht genauso auch im pastoralen Feld. Für die Pastoral muss das Backoffice gut und eigenständig funktionieren. Und zugleich ist „Kundenkontakt“ im Verwaltungsbereich kein Add-on, sondern dem pastoralen Auftrag der Kirche zugeordnet. Das kann sicher im Pfarrbüro auch zu manchen Konflikten führen. Aber ein kirchliches Büro darf niemals den Eindruck eines seelenlosen Ortes machen, an dem (karikiert gesagt) Menschen Nummern ziehen und von oben herab behandelt werden, andererseits muss es aber gut organisiert sein und verlässlich arbeiten. Gleiches gilt für die Gemeindeverbände und das Generalvikariat.

 

Veränderungen von gewohnten Strukturen bringen oftmals auch Ängste mit sich – auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die von dem Kooperationsprozess in unseren Gemeindeverbänden betroffen sind. Wir begegnen dem auf Verwaltungsebene mit einem offenen und ehrlichen Dialog und der engen Einbindung in alle Veränderungsprozesse. Wie kann das Erzbistum helfen, seelsorgerisch die Menschen in diesem Prozess zu begleiten?

 

DR. BREDECK: Partizipation ist wirklich ganz entscheidend, aber auch herausfordernd und oftmals ungewohnt. Es wird nötig sein, den Menschen Gelegenheit zu geben, ihre Trauer über das, was nicht mehr ist oder das, was nicht mehr geht, loszuwerden. Es wird auch nötig sein, sie nach ihren Vorstellungen und Erwartungen zu fragen. Und es ist im Interesse der Veränderungen selbst, wenn sie möglichst transparent und nachvollziehbar sind.

 

Dazu arbeiten wir jetzt auf Bistumsebene an einer „Change Story“, die die vielen Veränderungs- und Entwicklungsprozesse im Erzbistum in einen gemeinsamen Horizont stellt. Das wäre sicher früher wünschenswert gewesen, ist aber erst jetzt möglich, weil wir mittlerweile mehr als noch vor ein paar Jahren verstehen, was eigentlich in der Kirche im Gange ist.

 

Eine Stärkung kann sicherlich das gemeinsame Gebet und auch das Vertrauen in Gott sein, dass er uns auf diesem Weg der Veränderung stärkt und begleitet. Dürfen wir Sie um ein Gebet für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Entwicklung der Kirchenverwaltung bitten, das wir gemeinsam oder auch jeder für sich nutzen kann?

 

DR. BREDECK: Ich bete selbst häufig g das Gebet des Hl. Franziskus, das dem Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn vorangestellt ist. Das ist ein Berufungsgebet in Zeiten von Veränderung und Unsicherheit. Und die Pfingstsequenz „Komm herab o Heiliger Geist“. Und sicher auch immer wieder einfach das „Herr, erbarme dich“. Mir sind persönlich aber auch einige Liedtexte als Gebete wichtig, wie z. B. „Macht hoch die Tür“ oder „Vertraut den neuen Wegen“ und natürlich das Gebet der Konzilsväter vom Zweiten Vatikanum.

 

Herzlichen Dank das Interview.

 

 

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